8 Tipps für den Umgang mit Verschwörungs­gläubigen

Wenn Verwandte oder Freund*innen Verschwörungs­erzählungen anhängen, kann das nicht nur zu Unverständnis und Ratlosigkeit führen, sondern birgt auch ein hohes Konflikt­potential. Das geht häufig mit einer hohen psychischen und emotionalen Belastung einher. Der Versuch, die konspirativen Erzählungen faktenbasiert zu entkräften, führt zumeist ins Leere oder dazu, dass sich die Fronten verhärten. Dann geht eine Grundlage für konstruktive Gespräche zunehmend verloren. Trotzdem haben viele das Bedürfnis, Verschwörungs­anhänger*innen aus dem privaten Umfeld wieder von ihrem Glauben abzubringen oder einen angemessenen persönlichen Umgang zu finden. Doch wie spricht man am besten mit Familienangehörigen und Freund*innen, die an Verschwörungs­mythen glauben? Die folgenden Ratschläge sollen Betroffenen helfen.

Bestimmen Sie
Ziele

Bevor Sie sich in ein Gespräch mit der verschwörungsgläubigen Person begeben, stellen Sie sich diese Fragen: Was erhoffen Sie sich selbst von dem Gespräch? Was sind Ihre eigenen Bedürfnisse?

Setzen Sie Grenzen

Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen und gehen Sie nur so weit, wie Sie es sich zutrauen. Wenn Sie sich der Situation nicht gewachsen fühlen, ist es ratsam, zunächst eine Auseinander­setzung zu vermeiden und Hilfe zu Rate zu ziehen. Auch ein (eventuell temporärer) Kontakt­abbruch führt zwar meist nicht zu einer Problemlösung, sollte aber als äußerstes Mittel in Betracht gezogen werden, wenn Unsicherheiten, Ängste oder Bedrohungsgefühle bestehen.

Wählen Sie einen
geeigneten Gesprächsrahmen

Im Affekt zu streiten, ist wenig zielführend und trägt meistens dazu bei, dass emotionale Mauern hochgezogen werden. Wählen Sie stattdessen mit Bedacht, wann, wo und wie lange Sie sich Zeit für ein Gespräch nehmen wollen und verständigen Sie sich darüber mit Ihrem Gegenüber.

Führen Sie ein persönliches
Gespräch auf Augenhöhe

Zeigen Sie sich empathisch, offen und verständnisvoll, anstatt von vornherein konfrontativ eine klare Position zu beziehen. Wird man als mögliche*r Gegner*in der eigenen Überzeugung wahrgenommen, erschwert dies jedes Gespräch. Hat Ihr Gegenüber jedoch den Eindruck, dass Sie versuchen, sie*ihn zu verstehen und bereit sind, einen Schritt auf sie*ihn zuzumachen, ist sie*er viel eher bereit, sich auf Sie einzulassen.

Vorsicht mit
Fakten

Verschwörungs­erzählungen mit schlüssigen und fakten­basierten Gegen­beweisen zu begegnen, scheint zwar zunächst naheliegend, wirkt aber häufig eher eskalierend und führt zu einer weiteren Distanzierung. Denn zumeist geht es für die Verschwörungs­gläubigen nicht so sehr um den Inhalt der einzelnen Erzählungen, sondern um die Funktion, die sie für sie erfüllt. Doch auch, wenn man mit Fakten selten weit kommt, kann es sinnvoll sein, sich kundig zu machen, bevor man das Gespräch sucht. Wer die Mechanismen von Verschwörungs­erzählungen versteht, schützt letztlich auch sich selbst vor ihnen.

Einblicke gewinnen,
Angebote machen

Versuchen Sie, zu bestimmen, welche Funktion die Verschwörungs­erzählung für Ihr Gegenüber einnimmt und auf welches Problem sie eine Antwort liefert. Häufig hängt der Verschwörungs­glaube mit einer spezifischen Krisen­erfahrung zusammen. Erfragen Sie, welche Bedürfnisse bestehen, nehmen Sie diese ernst und bieten Sie Ihre Hilfe an.

Fragen statt sagen

Die Meinung oder Gedanken der anderen als Hirngespinst oder reinen Nonsens abzutun, wird Sie kaum weiterbringen. Vermeiden Sie auch stigmatisierende Verall­gemeinerungen, da diese als Angriff wahrgenommen werden und Abwehr­reaktionen hervorrufen könnten. Offene Fragen haben in der Regel ein größeres Potential, zum Nachdenken anzuregen und eine Reflektion der eigenen Überzeugungen zu befördern.

Suchen Sie sich
Unterstützung

In vielen Fällen kann es richtig und wichtig sein, sich Hilfe zu suchen, insbesondere wenn von einer verschwörungs­gläubigen Person eine Gefahr für Sie selbst oder andere ausgeht. Auch wenn alle Gesprächs­versuche scheitern und die Situation zunehmend unerträglich wird, ist dies ratsam. Für diese Fälle gibt es in einigen Bundes­ländern spezifische Beratungsstellen. Wir vermitteln Sie in diesen Fällen gerne weiter.

Weitere Tipps in den Videos
von CALLSPIRACY

Auch die Call-in-Sendung CALLSPIRACY blickt auf den Umgang mit Verschwörungs­erzählungen. Moderatorin Eva Schulz und veritas-Projektleiter Tobias Meilicke sprechen darin mit verschiedenen Gästen und betroffenen Angehörigen über ihre Erfahrungen mit Verschwörungs­erzählungen.
In Folge 1 geht es um die Kommunikation mit Verschwörungsgläubigen und in Folge 2 um die Frage, wann es besser sein kann, den Kontakt (vorerst) abzubrechen. Folge 3 erklärt, was Verschwörungserzählungen attraktiv macht. In Folge 4 diskutieren Eva Schulz und Tobias Meilicke mit Rapper Hendrik Bolz, was Kritik von Verschwörungserzählungen unterscheidet.

Literaturempfehlung zum Weiterlesen

Katharina Nocun & Pia Lamberty: True Facts. Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft. Quadriga 2021.

Sarah Pohl & Isabella Dichtel: Alles nur Spinner? Wie Sie mit Verschwörungsgläubigen gelassener umgehen. Vandenhoeck & Ruprecht 2021.

Ingrid Brodnig: Einspruch!: Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online. Brandstätter 2021.


Amadeu Antonio Stiftung: 8 Tipps zum Umgang mit Verschwörungsgläubigen im privaten Umfeld.

Sie möchten unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen?